Lederhosen

 

Der Ursprung der Lederhose wird gelegentlich der französischen culotte zugeschrieben. Damit wurden über oder bis zu den Knien reichende Hosen bezeichnet. Sogar simple Unterhosen scheinen einbezogen gewesen zu sein. Heute heißen sie meist caleçon oder – moderner – slip. In der Französischen Revolution erschien subtil der Begriff sansculottes. "Sansculottes war zunächst ein Spottbild, entwickelte sich aber schnell zur gebräuchlichen Bezeichnung für die revoltierenden Frühproletarier, die in das Revolutionsgeschehen eingriffen".* Anstatt den vom Adel getragenen Kniebundhosen zogen die Sansculottes lange Hosen an. Auch wenn der Begriff es suggeriert – keinesfalls war jemand unbekleidet!

In Literatur und Malerei fand ich bislang keine Belege, die culotte sei ursprünglich aus Leder gefertigt worden, oder gar dafür, Lederhosen seien in Mitteleuropa verbreitet gewesen. Eine Ausnahme stellen lederne culottes dar, die eine Zeitlang im Elsaß zur Feldarbeit getragen worden waren. Generell waren  Lederhosen seinerzeit und sind heute wieder in alpennahen Regionen Österreichs und Bayerns beheimatet. Im Grunde erscheinen sie dort als endemische Gewächse wie etwa das bayerische Löffelkraut.

 

Doch an die zwanzig Jahre lang hatten sie Ableger in ganz Deutschland. Denn nach dem 2. Weltkrieg ergänzten Lederhosen zunächst profan den Mangel an Kleidung. Ihre robusten Eigenschaften machten sie in BRD und DDR zum selbstverständlichen Kleidungsstück nicht nur für Kinder und Jugendliche. Anfang der sechziger Jahre begannen Blue Jeans, geschuldet dem progressiv veränderten Zeitgeist, sich durchzusetzen. Hinsichtlich Haltbarkeit waren sie auch nicht von Pappe. Erinnern wir uns ehrfürchtig der gemeinsamen Urgroßeltern von ledernen Beinkleidern und Leinen-Jeans, die ab dem 18. Jahrhundert in Gestalt gemeiner Arbeitshosen in Wald, Feld und Werkstatt fleißig moderne Zeiten schufen.

 

 

* Zitat aus Wikipedia, "Sansculottes"